Einige Menschen in Offenbach und Umgebung wollten nicht einsehen, dass man an diesem 1. Mai besser zu Hause bleibt. Sehr kurzfristig trafen die Organisatoren zusammen. Emanuel Schaaf vom Gesundheitskomitee Dreieich meldete Demo und Kundgebung an. Sie wurde für 50 Menschen genehmigt. Zu diesem Zeitpunkt grenzte das wegen der noch üblichen Auslegung der Regeln wegen Corona an ein Wunder. Außerdem waren in der Vorbereitung Christa Führer-Rößmann von der OFI und Michael Köditz von der GEW aktiv und andere gewerkschaftlich Organisierte beteiligt.

Am 1. Mai war zunächst fürchterliches Wetter, Regen und heftiger Wind - bis 11 Uhr. Entsprechend waren zu Beginn der Demo nur etwas über 20 Menschen dabei. An der Kundgebung nahmen dann aber rund 50 Menschen teil. Auf der Demo wurden viele Parolen gerufen. “Quarantäne für das Militär“, „In der Rüstung sind sie fix, für Gesundheit tun sie nix“ und „Hoch die internationale Solidarität“ sind nur einige.

Auf der Kundgebung sprach zunächst Emanuel Schaaf darüber, dass unser Gesundheitssystem schon vor Corona krankte. Er nannte als eine wesentliche Ursache die Privatisierung der Kliniken, die Unterwerfung des Gesundheitswesen unter ökonomische Direktiven. Schon vor Corona waren die Pflegekräfte einer ungeheuren Arbeitsverdichtung ausgesetzt. Außerdem habe die Regierung zu spät und mit falschen Maßnahmen auf die herannahende Epidemie reagiert.

Christa Führer-Rößmann erinnerte an den erfolgreichen Generalsstreik gegen den Kapp-Putsch vor 100 Jahren. Am Tag der Arbeit sollte doch unbedingt eines solchen Sieges gedacht werden. Führer-Rößmann weist darauf hin, dass Deutschland den höchsten Anstieg unter den „führenden Mächten“ bei den Rüstungsausgaben hatte , wie das Sipri-Institut vermeldete. Weitere Steigerungen sind geplant. Sinnlos und gefährlich! Zu Zeiten der Corona-Krise wird es noch klarer: wir können uns diese Rüstung nicht leisten. Auf Seiten der Regierenden wird über die Anschaffung von F 18 Atombombern nachgedacht. Ein Skandal! Die Atombomben müssen raus aus Deutschland. Ein Bundestagsbeschluss von 2010 verfügte genau das. Er wurde bisher nicht umgesetzt, obwohl nach unserer Verfassung die Regierungen dazu verpflichtet sind.

Aufstellung vor dem Gewerkschaftshaus
Demonstrationszug
Offenbacher Friedensinitiative
' , '11090');});});})


Zu weiteren Photos in Vollbildansicht auf externer Seite. copyright Fotos: Manfred Rößmann

 

Michael Köditz verwies auf die Unterfinanzierung des Bildungswesens. Das betrifft sowohl die Überlastung aller dort Beschäftigten, wie auch die Schulräume. Von der mangelnden Digitalisierung der Schulen war schon zuvor die Rede, aber auch die hygienischen Zustände sind in vielen Schulen mangelhaft. Die Erzieher*innen gehören zu den systemrelevanten Berufen, die unterbezahlt sind.

Julia Endres von Fridays For Future verlangt, dass den Worten endlich Taten folgen. Der Klimawandel erfordert ein Umsteuern jetzt. Endres betont, dass wir für eine Zukunft Solidarität, Mut und Liebe brauchen.

Brigitte Bach-Grass weist darauf hin, dass es die Gewerkschaften waren, die eine Sonderprämie für Beschäftigte in Pflegeberufen gefordert hatten und dazu die Steigerung des Kurzarbeitergeldes. Da gab es Teilerfolge. Ver.di vertritt schon seit vielen Jahren, dass Pflegeberufe einen sehr großen gesellschaftlichen Wert haben. Jetzt ist dies bei großen Teilen der Bevölkerung angekommen. „Lasst uns auch künftig, die Kolleginnen und Kollegen solidarisch beim Kampf unterstützen, damit ihre Arbeit nicht hinter die wirtschaftlichen Interessen von profitorientierten Krankenhausbetreibern gestellt werden.“

Bach-Grass schloss mit der Forderung, dass die Krisenkosten nicht, wie so oft, den Schwächsten in der Gesellschaft aufgebürdet werden dürfen.

Offenbachpost 02. Mai 2020 (PDF)